Einführung

Ayurveda ist eine komplexe und doch in ihren Grundsätzen leicht verständliche Heilkunde auf der Basis einer ganzheitlichen und universellen Philosophie. Die einzelnen Wissenszweige beruhen auf einigen grundlegenden Aspekten der Wahrnehmung und Betrachtung des Menschen als individuelle Einheit von Körper, Seele und Geist.


Gesundheit und Krankheit

Die ayurvedischen Definitionen von Gesundheit und Krankheit sind bemerkenswert:

Unter Gesundheit versteht der Ayurveda mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Der ayurvedische Ausdruck für einen gesunden Zustand ist svastha, was soviel heisst wie „im Selbst verweilen“.

Solange wir in Kontakt mit unserem wahren Selbst, unserer innersten Natur (Prakriti) sind, befinden wir uns in einem ausgeglichenen und kraftvollen Zustand auf allen Ebenen unserer Persönlichkeit. Die eigene Natur zu erkennen und zu leben ist die Voraussetzung und das Ziel für ein langes, gesundes und erfülltes Leben.

Gemäss ayurvedischer Definition gibt es verschiedene Voraussetzungen für Gesundheit: 

  • Ausgeglichenheit der funktionellen Prinzipien im Körper (dosas)
  • Normalzustand von Geweben (dhatus),
  • Ausscheidungen (malas) und Stoffwechselvorgängen (agni) 
  • normale Sinnes- und Motorikfunktionen 
  • Klarheit und Wohlbefinden des Geistes 
  • „glückliche Seele“ (Zustand absoluter Freude, unbeeinflusst von Erfolg und Misserfolg)


Natürlich stellt diese Definition einen Idealzustand dar, der schwer zu verwirklichen ist. Die ganzheitlichen Empfehlungen des Ayurveda bringen uns dem Ziel jedoch Schritt für Schritt näher.

 

Krankheiten werden im Ayurveda als Disharmonie des inneren Gleichgewichts definiert. Sie beginnen immer dann, wenn unser natürlicher Gesundheitszustand (Prakriti) mit einem krankmachenden Faktor in Berührung kommt und wir dadurch im Gleichgewicht gestört werden. Die Konstitution verändert sich (Vikriti) und wir leiden unter den daraus entstehenden Krankheiten physischer wie psychischer Natur.

Krankmachende Faktoren sind: 

  • exzessiver, zu geringer oder unpassender Gebrauch der Sinne und entsprechende Handlungen 
  • falsche Ernährung ungesunde Arbeitsbedingungen und Lebensgewohnheiten 
  • übermässige Stressbelastung 
  • abnorme Ausprägung der Jahreszeiten

 

All diese Faktoren stellen ab einem gewissen Maß eine Überforderung für den Organismus dar, was unweigerlich zu einer Störung der strukturellen und funktionellen Anteile im Körper führt.

Im Anfangsstadium lassen sich die Störungen mit einfachen Maßnahmen wieder ausgleichen und beheben, da die Dhatus, Malas und Srotas noch nicht geschädigt wurden. Haben sich die Erkrankungen im Körper manifestiert, sind weiterführende therapeutische Massnahmen notwendig.


Anatomie und Physiologie

Die ayurvedische Anatomie und Physiologie basiert auf der Lehre des Ayurveda, dass Mikro- und Makrokosmos eins sind: Das Universum, alle Manifestationen der Natur, der Mensch, die Sinnesorgane, unsere psychischen Tendenzen, Medikamente, Nahrungsmittel usw. sind aus denselben Bausteinen zusammengesetzt: den fünf Elementen (Mahabhutas). Alles, was wir in unserer Welt wahrnehmen, setzt sich aus Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther zusammen. Die unterschiedliche Ausprägung der Elemente bestimmt, ob wir ihre Manifestation eher auf der materiellen (körperlich manifestierten) oder auf der feinstofflichen (geistigen/emotionalen) Ebene wahrnehmen können.

Durch die fünf Elemente werden die funktionellen und strukturellen Bestandteile des Körpers gebildet: Zu den strukturellen Bestandteilen zählen die sieben Körpergewebe (Dhatu), die Ausscheidungsprodukte (Mala) und die Körperkanäle (Srota). Die funktionellen Bestandteile des Körpers sind der Stoffwechsel (Agni) und die Funktionsprinzipien (Doshas).

Alle Elemente manifestieren sich in bestimmten Eigenschaften oder Funktionsformen auf der körperlichen und psychischen Ebene:

 

Raum/Äther (Akasha)

Das Raumprinzip des Äthers wird charakterisiert durch fehlenden Widerstand und seine weichen, leichten, glatten, durchdringenden und durchscheinenden Eigenschaften. Wir brauchen Raum, um zu leben, uns bewegen, wachsen und kommunizieren zu können. Das zugeordnete Sinnesorgan ist das Gehör und seine körperliche Manifestation sind die Hohlräume im Mund, in der Nase, in den Atemorganen, im Magen-Darm-Trakt und im Brustkorb. Psychologisch betrachtet, gibt uns der Raum Freiheit und Frieden, erweitert unser Bewusstsein und ist für Liebe und Mitgefühl verantwortlich, aber auch für das Gefühl des Abgetrenntseins, der Isolation, der Leere, des Nichtgeerdetseins, der Unsicherheit, der Angst und der Furcht.

 

Luft (Vayu)

Luft verkörpert das Element der Bewegung, das im menschlichen Körper in den Bewegungen der Muskeln, im Herzschlag, im Ein- und Ausatmen der Lunge, in den Bewegungen der Magenwand und des Darms sowie den Impulsen des Nervensystems zum Ausdruck kommt. Dasselbe gilt für den Fluss der Gedanken, des Verlangens und des Wollens. Die Eigenschaften von Vayu sind beweglich, leicht, kalt, rauh, fein, trocken und durchdringend. Als Sinnesorgan fungiert der Tastsinn. Das Luftprinzip schenkt uns Glück, Frische, Freude und Erregung. Zusammen mit dem Raum ist die Luft für Furcht, Angst, Unsicherheit und Nervosität verantwortlich.

 

Feuer (Tejas)

Feuer ist heiss, trocken, scharf, durchdringend und leuchtend. Feuer ist aktiv und veränderlich. Die körperliche Wirkung von Tejas ist die Verbrennung, die Verdauung, Nährstoffaufnahme und Assimilation und die Erhaltung der Körperwärme. Feuer wird mit Licht und dem Sehen assoziiert. Feuer ist Intelligenz. Es ist notwendig für Transformation, Aufmerksamkeit, Verständnis, Erkennen und Verstehen. Feuer ist aber auch der Ursprung von Wut, Hass, Neid, Kritik, Ehrgeiz und dem Bestreben, zu anderen in Konkurrenz zu treten.

 

Wasser (Jala)

Wasser ist fliessend, schwer, weich, zäh, kalt, dicht und zusammenhängend. Es hat eine bindende Funktion. Wasser wird mit dem Geschmackssinn assoziiert, denn ohne Feuchtigkeit kann die Zunge nicht schmecken. Im menschlichen Körper existiert es in den Absonderungssäften der Verdauungsorgane und Speicheldrüsen, in den Schleimhäuten, im Blut- und Zellplasma sowie in den Körpersäften Blut, Lymphe, Fett, Urin und Schweiss. Es ist unverzichtbar für die Ernährung und die Erhaltung des Lebens. Wasser ist Zufriedenheit, Liebe und Mitgefühl. Es erzeugt Durst, Ödeme und Fettleibigkeit.

 

Erde (Prithvi)

Das Erdelement wird durch seine Eigenschaften schwer, langsam, stabil, hart, fest, dicht, grob und unbeweglich charakterisiert. Es gibt dem Körper Stärke, Struktur und Ausdauer. Alle festen Bestandteile des Körpers leiten sich vom Element Erde her. Erde wird mit dem Geruchssinn assoziiert. Es fördert Vergeben, Unterstützung und Wachstum, ausserdem das Festhalten an Dingen und Menschen sowie Gier und Depression. Sein Fehlen ruft ein Gefühl mangelnder Standfestigkeit hervor.

In einem gesunden Organismus sind die Elemente in einem harmonischen Gleichgewicht. Eine disharmonische Verteilung oder Ansammlung führt hingegen zu Störungen und Krankheiten.

 

Körpergewebe (Dhatus)

Ayurveda unterscheidet die strukturellen Bestandteile des menschlichen Körpers in sieben Körpergewebe, die Dhatus genannt werden. Dhatu bedeutet „aufbauendes Element“. Die Dhatus spielen in der ayurvedischen Heilkunde eine grosse Rolle, denn alle körperlichen Beschwerden resultieren aus einer Störung der Körpergewebe.

Die sieben Hauptarten der Dhatus sind:

  1. Blutplasma (Rasa)
  2. (rote) Blutzellen (Rakta)
  3. Muskelgewebe (Mamsa)
  4. Fettgewebe (Meda)
  5. Knochengewebe (Asthi)
  6. Knochenmark und Gehirnsubstanz (Majja)
  7. Fortpflanzungssubstanzen (Shukra)

 

Die Dhatus werden durch eine komplexe Zellerneuerung gebildet. Jedes Gewebe entsteht in einem eigenen Stoffwechselprozess aus dem vorherigen und nährt das nächste. Dieser ständige Erneuerungsprozess ist sehr wichtig für die Gesundheit des Körpers. Ist die Zellerneuerungskette in einem Gewebe unterbrochen, so werden die darauf aufbauenden Gewebe nicht mehr oder nur in schlechter Qualität gebildet. Wenn wir zum Beispiel über ein schlechtes Rakta-Dhatu verfügen, das sich durch eine leichte Übersäuerung und Hautunreinheiten bemerkbar macht, können wir davon ausgehen, dass die weiteren Körpergewebe – Muskeln, Fett, Knochen usw. – über kurz oder lang ebenfalls gravierende Störungen entwickeln.

Neben den Dhatus bilden weitere Gewebe die materielle Grundlage des Körpers. Da sie nicht in der Lage sind, sich in andere Gewebe umzuwandeln, werden Sie Nebengewebe (Upadhatus) genannt:

  1. Muttermilch und deren Produktionsgewebe (Stanya)
  2. weibliche Fortpflanzungssubstanzen (Artava)
  3. Blutgefäße (Sira)
  4. Sehnen (Kandara)
  5. Haut (Tvak)
  6. Muskelfett (Vasa)
  7. Bänder und Nerven (Snayu)

 

Nicht nur Nährstoffmangel oder Umweltbelastungen stören den gesunden Gewebsaufbau und Zellstoffwechsel, auch unsere Psyche hat einen großen Einfluss auf die körperliche Substanz. Das eigene Weltbild, die positiven und negativen Gedanken, nicht verarbeitete Erfahrungen werden in den Geweben gespeichert und warten auf ihre Erlösung. Die geschieht automatisch, wenn sich die Körpergewebe erneuern. So kann eine Reinigungskur, eine entschlackende Diät oder eine tiefwirkende Massage zur Befreiung gestauter und verdrängter Gefühle führen.

Das Endprodukt einer gesunden Gewebserneuerung ist Ojas – die essentielle Lebensenergie. Das feinstoffliche Stoffwechselprodukt ist massgeblich für Ausstrahlung und Stimmung verantwortlich. Ein bestimmter Anteil von Ojas ist von Geburt an in uns angelegt, kann jedoch durch schwere Krankheiten verloren gehen. Deshalb ist es wichtig, Ojas durch spezielle Nahrungsmittel, Massagen und Heilkräuter, aber auch durch positive Empfindungen wie Liebe zu stärken. Im Ayurveda dienen dazu vor allem die Verjüngungstherapien des Rasayana.

 

Abfallprodukte (Malas)

Unter Mala versteht man die Ausscheidungsprodukte des natürlichen Verdauungsprozesses. Dazu gehören die grobstofflichen Ausscheidungsprodukte wie

  1. Stuhl (Purisha)
  2. Urin (Mutra)
  3. Schweiß (Sveda)
  4. sowie die feinstofflichen Abfallprodukte, die der Körper über Haut, Augen, Nase, Mund, Ohren und Geschlechtsorgane ausscheidet.

In der ayurvedischen Heilkunde und Diagnostik geniessen die grobstofflichen Malas eine grosse Aufmerksamkeit, da die Gesundheit von der richtigen Ausscheidung der Abfallprodukte abhängt. Daher befragt der Ayurveda-Arzt seinen Patienten sehr detailliert über seine Verdauung und die Beschaffenheit seiner Ausscheidungsprodukte (Farbe, Geruch, Häufigkeit).

Ama – Gift für den Körper

Ein weiteres Abfallprodukt ist Ama. Ama heisst wörtlich „nicht gekocht“ und bedeutet, dass Teile der Nahrung nicht ausreichend verdaut wurden und nun als unverstoffwechselbarer Schlackenstoff den Organismus toxisch belastet. Immer dann, wenn unser Stoffwechsel zu schwach ist, um die Nahrung vollständig zu verdauen oder wenn wir nicht zu verwertende Nahrungsmittel essen, entsteht Ama. Durch seine Konsistenz verbindet sich Ama mit anderen Substanzen und ist so Hauptursache aller Krankheiten, so zum Beispiel der typischen Ama-Erkrankungen wie Rheuma, Akne oder Darmpilze.

 

Körperkanäle (Srotas)

Die Räume, in denen Substanzen im Körper transportiert oder ausgetauscht werden, heissen Srotas. Diese können sehr gross, sehr schmal oder von veränderlicher Form sein. Es existieren unzählige Srotas, in der medizinischen Ayurveda-Praxis werden 13 davon besonders hervorgehoben.

Es sind dies die

  • 3 Kanäle für Atem, Wasser und Nahrung
  • 7 Kanäle, welche die sieben Gewebe befördern und versorgen
  • 3 Kanäle, welche die Abfallprodukte des Körpers entsorgen

In einem gesunden Körper können die Körpersäfte ungehindert durch die Srotas fliessen und sich gleichmässig an den gewünschten Stellen verteilen. Sind die Srotas blockiert – durch falsche Nahrung oder toxische Ablagerungen (Ama) –, so können vielfältige Störungen auftreten wie Wasseransammlungen, Lymphstauungen oder Verstopfung. Aus diesem Grunde ist die Öffnung und Befreiung der Srotas ein wichtiger Teil der Ayurveda-Therapie. Massagetechniken und Schwitzbehandlungen dienen unter anderem dem Zweck, die Srotas zu öffnen und von den Blockaden zu befreien.

 

Stoffwechsel (Agni)

Man übersetzt Agni mit „Verdauungsfeuer“, könnte es aber auch „Lebensfeuer“ nennen, weil es für alle Lebensfunktionen unentbehrlich ist. Agni hat seinen Hauptsitz im Oberbauch, ist jedoch auch in jeder Zelle vorhanden. Agni ist das wichtigste Wirkungsprinzip im Organismus, das die Nahrungsbestandteile in die strukturellen Bestandteile des Körpers umwandelt.

Agni ist auf drei Ebenen wirksam und wird deshalb in drei Arten unterteilt:

  1. 1 Verdauungsfeuer (Jatharagni): bewirkt die anfängliche Verdauung und steuert die Aufspaltung der Nahrungsmittel in verwertbare Nährstoffe und nicht verwertbare Abfallprodukte.
  2. 5 Elementefeuer (Bhutagni): spalten die Nahrung in die einzelnen Elemente auf.
  3. 7 Gewebefeuer (Dhatvagni): transformieren die Nährstoffe im Gewebeumwandlungsprozess.

 

Jeder Mensch verfügt mit Agni über einen ganz individuellen Stoffwechsel. Entsprechend seiner Konstitution und Lebensweise können die Eigenschaften von Agni unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie bestimmen nicht nur seinen Appetit und seine Ernährungsgewohnheiten, sondern sind auch für Verdauungsbeschwerden, Energiemangel, Übergewicht oder Krankheiten der Verdauungsorgane verantwortlich.

Es werden vier Zustände von Agni definiert:

  1. Sam Agni (sama = ausgeglichen): arbeitet normal bzw. ausgeglichen, also weder zu stark noch zu schwach. Gesunde, konstitutionsgerechte und unter Beachtung der Regeln verzehrte Nahrung wird innerhalb der normalen Zeit problemlos verdaut.
  2. Manda Agni – das schwache Agni: herrscht meist bei Kapha vor und führt zu Verstopfung. Die Nahrung bleibt kalt, wird nicht aufgespalten und kann nicht verdaut werden.
  3. Vishma Agni - das wechselnde Agni: herrscht bei Vata vor und führt zu unregelmässiger Verdauung. Der Mensch neigt zu Blähungen und schwankt ständig zwischen Verstopfung und Durchfall.
  4. Tikshna Agni - das scharfe Agni: herrscht bei Pitta vor und führt zu Durchfällen. Die Nahrung wird geradezu verbrannt und verflüssigt. Dabei können keine Nährstoffe mehr verwertet werden.

 

In allen Fällen von Agni-Störungen können die Nährstoffe nicht optimal verarbeitet werden und gehen verloren. Dadurch wird der Gewebeaufbau beeinträchtigt und die halbverdaute Nahrung führt zur Bildung von toxischen Stoffwechselgiften (Ama), die sich im ganzen Körper absetzen und zu weiteren Erkrankungen führen können. In diesem Sinne steht jede Krankheit mehr oder weniger in Verbindung mit einer Disharmonie unseres Verdauungssystems, und die typengerechte Regulierung von Agni ist ein zentrales Thema in jeder ganzheitlichen Ayurveda-Therapie.

 

Drei Doshas: Vata, Pitta, Kapha

Das Konzept der Tridoshas liefert das Verständnis zur eigenen Konstitution und damit den Schlüssel zu unserer Gesundheit.

Die fünf großen Elemente verbinden sich zu drei Grundenergien oder Funktionsprinzipien, die in verschiedenem Maße in allem gegenwärtig sind. Raum und Luft bilden zusammen VATA. Feuer und Wasser verbinden sich zu PITTA. Wasser und Erde ergeben KAPHA.

Doshas sind keine körperlichen Substanzen, sondern höchst dynamische Kräfte, die alle biologischen und psychischen Prozesse unseres Körpers, unseres Geistes und unseres Bewusstseins steuern.

Alle Menschen verfügen über alle drei Doshas. Jeder Mensch verfügt jedoch über eine ganz individuelle Kombination der drei Doshas, die seine Konstitution und Persönlichkeit (Prakriti) ausmachen. Die Doshas prägen seine körperliche Erscheinung, seine Verhaltensformen und Krankheitsanfälligkeiten. Die Gesundheit eines Menschen hängt davon ab, ob er diese drei Kräfte im Gleichgewicht halten kann. Ist das Gleichgewicht zwischen den Doshas gestört, verursachen sie Krankheiten.

Die Tridosha vermitteln auch zwischen unserem grobstofflichen Körper und dem feinstofflichen Geist. Die Verbindung von Anatomie, Physiologie und Psychologie, die im Westen schwer zu erkennen ist, wird im Ayurveda bereits mit Hilfe der Doshas hergestellt.

Jedes Dosha ist aufgrund seiner Eigenschaften für verschiedene Funktionen im Körper zuständig. Und obwohl jedes Dosha im ganzen Körper vorzufinden ist, gibt es Regionen, in denen sich seine Aktivität besonders zeigt resp. wo auch die Hauptanfälligkeit für Störungen liegt.

 

Vata – das Prinzip der Bewegung

  • Eigenschaften: trocken, kalt, leicht, feinstofflich, beweglich, nicht schleimig, rauh
  • Funktionen: Vata reguliert alle mentalen wie auch physiologischen Aktivitäten im Körper: Bewegungen, Atmung, Kreisläufe, Ausscheidung, Embryoentwicklung, Sinneswahrnehmungen, Sprachbildung, Impulse unseres Nervensystems
  • Sitz im Körper: Dickdarm, Lendenbereich, Kreuzbeinbereich, Oberschenkel, Sinnesorgane, Knochen
  • Störungen: Ein Übermass an Vata führt zu typischen Störungen wie z.B. trockene Haut, Schlafstörungen, Nervosität, Verstopfung oder Beschwerden des Bewegungsapparates

Wenn Vata sich im Gleichgewicht befindet, gedeihen Kreativität und Flexibilität, Leichtigkeit und Freude. Bei gestörtem Vata sind Furcht, Nervosität und Angst die Folge.

 

Pitta – das Umwandlungsprinzip

  • Eigenschaften: flüssig, scharf, sauer, heiss, penetrierend, beweglich wie eine Flüssigkeit, etwas ölig
  • Funktionen: Pitta ist für alle Umwandlungsprozesse im Körper verantwortlich: Nahrungsaufspaltung, Abbaustoffwechsel, Energiegewinnung, Temperaturregulation, Sehvermögen, Hunger, Durst
  • Sitz im Körper: Magen, Dünndarm und die Bauchregion um den Nabel.
  • Störungen: Ein gestörtes Pitta führt z.B. zu Hautkrankheiten, Gastritis oder Migräne

Pitta fördert Intelligenz, Ausstrahlung und Mut. Bei einem Ungleichgewicht entstehen feurige Emotionen wie Wut, Hass, Kritik und Eifersucht.

 

Kapha – das Stabilitätsprinzip

  • Eigenschaften: schwer, kalt, weich, ölig, süss, stabil, schleimig oder klebrig
  • Funktionen: Kapha schenkt dem Körper Stärke und Struktur und ist verantwortlich für Immunkraft, Aufbaustoffwechsel, Potenz, Stabilität, Ölen/Fetten (der Körpergewebe), Schmierung (der Gelenke)
  • Sitz im Körper: Brustraum, Rachen, Kopf, Gelenke, oberer Magen
  • Störungen: übermässiges Kapha führt zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Diabetes oder Tumorbildungen, in leichten Fällen bewirkt Kapha Übergewicht, Antriebslosigkeit und Verschleimung im Kopf- und Brustbereich

Im ausgewogenen Zustand bringt uns Kapha Liebe, Ruhe und Gelassenheit, ein Ungleichgewicht ist für das Haften an Dingen und Menschen, die Gier und den Neid verantwortlich.  


Feinstoffliche Anatomie

Wenn wir die menschliche Natur aus ayurvedischer Sicht beschreiben, so werden immer wieder die Begriffe des grobstofflichen und feinstofflichen Körpers verwendet. Ebenso gibt es Therapieformen, die grobstofflich oder feinstofflich wirken.

Im Ayurveda geht man davon aus, dass der Körper nicht nur aus den „grobstofflichen“ und sichtbaren Zellen und Körpergeweben besteht, sondern auch aus „feinstofflichen“, energetischen, nicht sichtbaren Energiezentren (Marmas, Chakren), Energiebahnen (Meridianen, Nadis) oder Energiekörpern (Aura, Koshas). Diese bestimmen unseren Energiehaushalt und sind Ausgangspunkt für die meisten Massage- und Behandlungsformen des Ayurveda.

 

Koshas – die Körperhüllen

Im Ayurveda werden fünf Körperhüllen (Koshas) unterschieden. Von diesen fünf Körperhüllen sind zwei grobstofflich, die zusammen die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers darstellen. Der feinstoffliche Körper repräsentiert die Psyche, die Gefühle, die Gedanken und das göttliche Bewusstsein des Menschen. Er macht einen grossen Teil unserer Persönlichkeit aus und versorgt uns mit Lebensenergie, Freude und Liebe. Die drei feinstofflichen Körper basieren auf den Eigenschaften der drei Gunas.

 

Drei Gunas: Sattva, Rajas, Tamas

Neben den Doshas, die durch ihre Eigenschaften und Funktionen sowohl im grobstofflichen wie auch feinstofflichen Körper zu finden sind, spielen in der ayurvedischen Anatomie drei weitere feinstoffliche Prinzipien eine wichtige Rolle: Sattva, Rajas und Tamas – die drei Gunas, die Urkräfte der Natur.

In der vedischen Philosophie wird beschrieben, dass sich am Anfang eines Schöpfungszyklus Rajas, Tamas und Sattva in einem harmonischen Kräfteverhältnis befinden, welches dann zunehmend in ein Ungleichgewicht gerät. Als Folge dieser Disharmonie bildet sich, in unendlicher Kombination dieser drei Kräfte, das Universum heraus. Es manifestieren sich in endloser Vielfalt alle sichtbaren und unsichtbaren Stoffe dieser Welt. Die drei Gunas bilden in mannigfaltigen Verbindungen alle feinstoffliche, organische und anorganische Materie – Steine, Pflanzen, Tiere und den Menschen.

In der menschlichen Natur beschreiben Sattva, Rajas und Tamas spirituelle Gemütszustände und geistige Qualitäten und somit die mentale Konstitution des Menschen:

  • Sattva - verkörpert das Prinzip der Reinheit, Ausgeglichenheit und Harmonie
  • Rajas - steht für Aktivität, Ruhelosigkeit und Unstetigkeit
  • Tamas - ist das Prinzip der Trägheit, Dunkelheit und Passivität

 

Für ein glückliches und erfülltes Leben ist es erforderlich, dass Sattva als Harmonie- und Reinheitsprinzip überwiegt.

 

Marmas

Marmas sind die Vitalpunkte im Körper, durch deren Verletzung der Mensch sterben kann und durch deren Behandlung Heilung erfolgt. In der ayurvedischen Medizin kennt man über 300 Marmas, die sich im ganzen Körper verteilen und für die medizinische Behandlung von allen Leiden des Bewegungsapparates sehr wichtig sind. Die Marma-Vitalpunkte sind Speicherzentren für körperliche und emotionale Informationen. Durch die Behandlung der Marmas können seelische Traumata transformiert werden. Die so genannte Marma-Chikitsa-Therapie gehört zu den intensivsten Behandlungsformen des Ayurveda und wird sowohl auf der feinstofflichen wie auch auf der grobstofflichen Ebene eingesetzt.

 

Chakren

Auch Chakren, die sieben Hauptenergiezentren entlang der Wirbelsäule, sind grosse Marmas. Als feinstoffliche Organe sind sie für spirituelle und energetische Prozesse in Körper und Bewusstsein verantwortlich. Alle spirituellen Therapieformen des Ayurveda arbeiten mit den Chakren und bewirken hier grosse Veränderungs- und Wachstumsprozesse.

 

Nadis

So wie die Srotas das grobstoffliche Leitsystem im Körper bilden, sind Nadis die feinstofflichen Energiebahnen im Körper. In ihnen fließt Prana, die Lebensenergie, und sie sind für die energetische Versorgung des Organismus verantwortlich. Alle ayurvedischen Massagen orientieren sich mit ihrer Technik, Streichrichtung und ähnlichem an den Nadis und unterstützen diese in ihren Funktionen.


Prakriti: die individuelle Konstitution

Ayurveda betrachtet jeden Menschen als einzigartiges Individuum, das sich aus den unzähligen Eigenarten der drei Doshas sowie den Qualitäten der drei Gunas zusammensetzt. Man unterscheidet zwischen der körperlichen Konstitution Deha Prakriti (beschrieben durch Vata, Pitta und Kapha) und der mentalen Konstitution Manasa Prakriti (beschrieben durch Sattva, Rajas und Tamas).

Das Wissen um die individuelle Konstitution führt jeden Menschen zu einer tiefen Selbsterkenntnis und bewussten Lebensweise. Die Prakriti ist der Schlüssel zur Heilung, denn alle Therapieformen basieren auf der Kenntnis der individuellen Natur des Menschen.

Die Grundkonstitution des Menschen hat im Ayurveda eine sehr grosse Bedeutung, denn sie ist Ausgangspunkt unseres Lebens. Prakriti heisst Natur und bezeichnet das ursprüngliche Verhältnis der Doshas bei der Geburt. Eines der wichtigsten Ziele der ayurvedischen Philosophie ist es, seine Urnatur zu erkennen und im Einklang mit ihr zu leben.

Leider ist es gar nicht so einfach, die persönliche Konstitution zu bestimmen, denn sie ist von unzähligen Faktoren abhängig. Und obwohl sich die Grundkonstitution in unserem Leben nicht verändert, kann sie doch von Störungen überschattet werden, die manchmal so ausgeprägt sind, dass die Grundkonstitution kaum mehr zu erkennen ist. Zudem wird die Konstitution durch zahlreiche Faktoren wie Lebensalter, Jahres- und Tageszeit, Nahrungsaufnahme, Gewohnheiten, Berufstätigkeit, Umwelteinflüsse usw. beeinflusst.

Körperliche Konstitution

Die körperliche Konstitution wird durch die drei Doshas Vata, Pitta, Kapha beschrieben und beinhaltet die körperlichen und psychischen Charaktereigenschaften. Die Grundkonstitution kann von einem, zwei oder von allen drei Doshas geprägt sein.

In der klassischen Literatur wird eine Vata-Pitta-Kapha-Konstitution (Tridosha) als ideal beschreiben, denn hier sind alle biologischen Kräfte ausgewogen vertreten. Einseitige Konstitutionen neigen eher zu Krankheiten, da sie schneller aus dem Gleichgewicht geraten. „Gesund sein“ heisst im Ayurveda immer, sich im inneren Gleichgewicht mit der eigenen Dosha-Konstitution zu befinden. Unsere Aufgabe ist es, durch ausgleichende Massnahmen die eigene Grundkonstitution zu stärken und zu harmonisieren.

Ayurveda beschreibt sieben verschiedene Konstitutionstypen, die sich durch die Betonung eines oder mehrerer Doshas unterscheiden. Bei Typen, in denen nur ein Dosha vorherrscht, sind die Eigenschaften eindeutig zu erkennen, wenn zwei oder drei Doshas die Konstitution prägen, vermischen sich die Eigenschaften und Körpermerkmale.

Vata

Vata-Menschen erkennen wir an ihrer leichten Körperstruktur - sie sind schlank, hoch gewachsen oder seltener extrem klein. Lange, schmale Hände und markante Gesichtszüge sind weitere typische Merkmale. Ihr Haar ist eher spröde und oft stark gekraust. Sie neigen zu trockener Haut. Vata-Menschen sind hoch sensible, redselige Menschen, mit einer raschen Auffassungsgabe und einer grossen Begeisterungsfähigkeit. Sie sind körperlich und geistig ständig in Bewegung und können nur schwer zur Ruhe kommen. Vata-Menschen lieben die Veränderungen, sie reisen gerne und verfolgen gerne mehrere Projekte gleichzeitig. Leider haben sie keine grosse Ausdauer – auch in Partnerschaften kommt es zu häufigen Wechseln. Sie haben eine starke Abneigung gegen Kälte und halten sich am liebsten in der warmen Sonne auf. Ihr Nervensystem ist sehr empfindsam und ihre Widerstandskraft gegen Krankheiten eher gering.

Pitta

Diese Konstitution stellt den Mitteltypus zwischen Vata und Kapha dar. Dank der guten Verdauung und einem guten Stoffwechsel ist ihr Körper oft gut entwickelt. Körperglieder, Gesichtszüge sowie andere körperliche Merkmale sind harmonisch proportioniert. Die Haut ist feucht, warm und gut durchblutet. Pitta-Typen schwitzen viel und neigen zu Hautbeschwerden, frühzeitigem Ergrauen und Glatzenbildung. Pitta-Menschen vertragen keine Hitze oder grelles Sonnenlicht. Pitta-Konstitutionen sind kritische, leistungswillige Menschen mit einem starken Willen und grossem Ehrgeiz. Sie sind häufig dominant und durchsetzungsfähig. Sie scheuen sich nicht vor Konfliktsituationen oder Herausforderungen. Ihr Verantwortungsbewusstsein macht sie zu guten Führungskräften. Pittas neigen zu Intoleranz und Ungeduld – auch in Partnerschaften sind sie es, die gerne andere kritisieren, selber aber Kritik schlecht ertragen.

Kapha

Kapha-Menschen sind kräftig gebaut, ihr Körper ist gut entwickelt, mit runden Konturen. Sie haben breite Schultern und grosse Hände. Sie haben eine schöne Haut, grosse Augen und kräftige Haare, regelmässige Zähne und eine gute Stimme. Sie haben ein gutes Immunsystem und sind kaum aus der Ruhe zu bringen. Es sind geduldige Menschen von anziehender Herzlichkeit. Kapha-Menschen sind tolerant, zufrieden und zuverlässig. Sie vermitteln Sicherheit, Vertrauen und emotionale Beständigkeit. In Partnerschaften sind sie treue Seelen und lassen sich kaum auf Abenteuer ein. Kaphas neigen zu Bequemlichkeit und ihre Antriebskraft ist eher gering.

Vata und Pitta

Wenn Sie mit einem Blasebalg Luft ins Feuer blasen, so brennt dieses um so schneller und intensiver. Genau das passiert bei dieser Konstitution. Hier haben wir sehr intensive, intelligente und aktive Menschen, die Gefahr laufen, sich selber aufzubrauchen oder sich aufzuopfern. Sie sind attraktiv, lebenslustig und lebendig, besitzen einen wachen Geist und können sehr gut kommunizieren. Im Konflikt stehen häufig die kreativen Ideen des Vata-Geistes, die der Pitta-Anteil perfekt und erfolgreich umsetzen will, was unweigerlich zu Stress führt.

Vata und Kapha

Hier haben sich die beiden Extreme zu einer homogenen Konstitution zusammengefunden. Der Vata-Anteil schenkt Leichtigkeit, Kreativität und Unbeständigkeit während der Kapha-Anteil für Schwere und Stabilität sorgt. Menschen mit einer Vata-Kapha-Konstitution sind sehr gesellig, beliebt und kommunikativ. Durch das fehlende Feuerelement ist ihnen oft kalt und sie benötigen anregende Wärme für den Stoffwechsel, die Verdauung und das seelisch-geistige Wohlbefinden.

Pitta und Kapha

Kapha-Pitta-Personen sind robust und kräftig gebaut, das Immunsystem stabil und die Ausdauer und Beharrlichkeit in allen Aktivitäten sind hervorragend. Sie sind feurige, soziale und lebensfrohe Menschen. Weil das bewegliche Vata-Element fehlt, kann es vorkommen, dass sie ihr Ziel zu verbissen verfolgen oder in ihrer Position verharren. Durch ihre Rossnatur fehlt es ihnen oft an Feingefühl im Umgang mit sich selbst und mit anderen. Im Allgemeinen sind sie aber liebevolle Partner und Eltern und man kommt gut mit ihnen aus. Sie machen sich durch ihre Herzlichkeit viele Freunde.

Tridosha-Konstitution

In eher seltenen Fällen zeigen sich die Eigenschaften aller drei Typen in gleichem Masse in einer Person. Von Natur aus sind solche Menschen sehr ausgeglichen und besitzen maximale Widerstandskraft gegen gesundheitliche Störungen. Eine ausgewogene Tridosha-Konstitution ist daran erkennbar, dass es keine extreme Konstitutionseigenschaften gibt. Tridosha-Menschen mögen keine Einseitigkeit, da diese sie aus dem Gleichgewicht bringen.

 

Mentale Konstitution

Mit der mentalen Konstitution beschreibt Ayurveda den geistigen Entwicklungsstand und die seelische Gemütsverfassung des Menschen. Psychische Eigenarten der Konstitution werden sowohl von den Doshas wie auch von den Gunas beeinflusst. Die Prägung der mentalen Konstitution hat vor allem bei den spirituellen und psychischen Therapieformen grossen Einfluss auf die Behandlung.

Nach vedischer Philosophie kommt jeder Mensch mit einem in ihm verankerten Bewusstsein auf die Welt. Diesem Bewusstsein entspringen zum Beispiel unsere tiefsten ethischen und philosophischen Überzeugungen und mentalen Anlagen.

Sattvika

Die sattvische Konstitution zeigt sich durch folgende Eigenschaften: freundlich, grosszügig, vergebend, aufrichtig, intelligent, gutes Gedächtnis, Weisheit, Geduld, nicht verhaftet sein

Rajasa

Die rajasische Konstitution zeigt sich durch folgende Eigenschaften: aktiv, ungeduldig, stolz, ehrgeizig, unehrlich, begierig, leidenschaftlich, ärgerlich, heuchlerisch, eifersüchtig

Tamasa

Die tamasische Konstitution zeigt sich durch folgende Eigenschaften: ängstlich, unreligiös, träge, Mangel an Intelligenz und Wissen, faul, desinteressiert

 

Als eines der höchsten Ziele des menschlichen Daseins wird die geistige Weiterentwicklung angesehen. Die meisten spirituellen Praktiken und Meditationstechniken dienen deshalb der Reinigung des Geistes und Läuterung der Seele. Ziel ist es, einen tamasischen oder rajasischen Bewusstseinszustand zu überwinden, um einen sattvischen Geist zu entwickeln.


Vikriti: Störungen der Konstitution

Wenn die Doshas eines Menschen aus dem Gleichgewicht geraten, verändert sich die Konstitution. Das Dosha-Gefüge entspricht nicht mehr der Grundkonstitution (Prakriti) – dieser Zustand wird als Vikriti bezeichnet.

Eine ayurvedische Konstitutionsdiagnose beginnt immer mit der Bestimmung des momentan vorherrschenden Dosha-Zustands, der Vikriti. Mit ausgleichenden Ernährungs- und Lebensempfehlungen und therapeutischen Behandlungen soll der Klient wieder zu seiner ursprünglichen Natur zurückfinden.

Auslösende Faktoren für eine Dosha-Störung sind: 

  • äussere Einflüsse: ungesunde Lebens- und Ernährungsweise, Klima, berufliche und private Belastungen 
  • innere Stagnation: Entsprechend der individuellen Natur benötigt jeder Konstitutionstyp bestimmte Ausdrucksformen und typengerechte Verhaltensweisen.Werden diese Bedürfnisse unterdrückt, kommt es zum krankheitsverursachenden Ungleichgewicht.

 

Viele Dosha-Störungen manifestieren sich im Anfangsstadium im energetischen und emotionalen Bereich. Der Körper zeigt erst später Krankheitssymptome. In unserer westlichen Welt werden mehr als 80 Prozent aller Störungen durch Vata ausgelöst oder verstärkt. Umweltbelastung, Stress und bestimmte Lebensbedingungen sind äusserst Vata-erregend. Deshalb sind für uns die Vata-reduzierenden Massnahmen wie Ölmassagen, warme Speisen und Entspannungsübungen besonders wichtig.

 

Vata-Störungen

Ein zu hohes Vata entsteht durch übermässige Belastungen auf körperlicher und geistiger Ebene sowie durch unausgeglichene Lebensweise und Energieverlust.

Damit verbunden sind typische Beschwerdebilder wie: 

  • jede Art von Lockersein in Gelenken, Bändern oder Muskeln 
  • Blähungen, Verstopfung Schlafstörungen, Schlaflosigkeit 
  • häufige Schmerzen, Taubheit, Steifigkeit und Krämpfe 
  • Auszehrung, Gewichtsverlust, Zittern, Zuckungen, Schwindel 
  • Tinnitus, mentale Instabilität, Verlust der Körperkraft 
  • Neigung zu Sorgen, Ängsten, innerer Unruhe, Depressionen

 

Typische Vata-Krankheiten sind: Blutarmut, Muskel- und Knochenschwund, Lähmungserscheinungen, Gedächtnisverlust, Gelenkbeschwerden, Arthritis und Nervenleiden.

 

Pitta-Störungen

Ein zu hohes Pitta entsteht durch zu viel Hitze im Körper, was durch viel Verantwortung, Erfolgsdruck, Konkurrenzkampf oder den übermässigen Genuss von sauren Speisen (Zitrusfrüchte, Milchprodukte, Fleisch, Alkohol) gefördert wird.

Damit verbunden sind typische Beschwerdebilder wie: 

  • Entzündungen und Eiterungen 
  • Neigung zu erhöhter Temperatur, Fieber und exzessivem Schwitzen 
  • saures Aufstossen, Sodbrennen, Magenbeschwerden und Durchfall 
  • Kopfschmerzen und/oder Migräne 
  • Schwächung des Sehvermögens 
  • Unreine Haut, Hautrötung, Hautausschlag 
  • Haarausfall 
  • Innere Anspannung, Ärger, Aggressionen und Ungeduld

 

Typische Pitta-Krankheiten sind Fieber, Entzündungen, Migräne, Eiteransammlungen, entzündliche Arthritis und entzündliche Krankheiten der Leber und des Magen-Darm-Trakts.

 

Kapha-Störungen

Kapha-Störungen entstehen meistens durch einen Mangel an Bewegung und Lebensfreude und ein Übermass an süsser und fettiger Nahrung.

Damit verbunden sind typische Beschwerdebilder wie: 

  • Schweregefühl im Körper oder Erhöhung des Körpergewichts 
  • Verdickung der Gefässe, Wasseransammlungen, Ödeme, Fettleibigkeit 
  • Unbeweglichkeit, Schläfrigkeit, exzessiver Schlaf, Faulheit 
  • Kältegefühl übermässige Schleimbildung in Bronchien, Atemwegen, Stirn- und Nebenhöhlen 
  • Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit und Schwermut

 

Typische Kapha-Erkrankungen sind: Fettsucht, hoher Cholesterinspiegel, nässende Ekzeme, Zysten, Diabetes und Tumore.