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Prakriti: die individuelle Konstitution


Ayurveda betrachtet jeden Menschen als einzigartiges Individuum, das sich aus den unzähligen Eigenarten der drei Doshas sowie den Qualitäten der drei Gunas zusammensetzt. Man unterscheidet zwischen der körperlichen Konstitution Deha Prakriti (beschrieben durch Vata, Pitta und Kapha) und der mentalen Konstitution Manasa Prakriti (beschrieben durch Sattva, Rajas und Tamas).

Das Wissen um die individuelle Konstitution führt jeden Menschen zu einer tiefen Selbsterkenntnis und bewussten Lebensweise. Die Prakriti ist der Schlüssel zur Heilung, denn alle Therapieformen basieren auf der Kenntnis der individuellen Natur des Menschen.

Die Grundkonstitution des Menschen hat im Ayurveda eine sehr grosse Bedeutung, denn sie ist Ausgangspunkt unseres Lebens. Prakriti heisst Natur und bezeichnet das ursprüngliche Verhältnis der Doshas bei der Geburt. Eines der wichtigsten Ziele der ayurvedischen Philosophie ist es, seine Urnatur zu erkennen und im Einklang mit ihr zu leben.

Leider ist es gar nicht so einfach, die persönliche Konstitution zu bestimmen, denn sie ist von unzähligen Faktoren abhängig. Und obwohl sich die Grundkonstitution in unserem Leben nicht verändert, kann sie doch von Störungen überschattet werden, die manchmal so ausgeprägt sind, dass die Grundkonstitution kaum mehr zu erkennen ist. Zudem wird die Konstitution durch zahlreiche Faktoren wie Lebensalter, Jahres- und Tageszeit, Nahrungsaufnahme, Gewohnheiten, Berufstätigkeit, Umwelteinflüsse usw. beeinflusst.

Körperliche Konstitution


Die körperliche Konstitution wird durch die drei Doshas Vata, Pitta, Kapha beschrieben und beinhaltet die körperlichen und psychischen Charaktereigenschaften. Die Grundkonstitution kann von einem, zwei oder von allen drei Doshas geprägt sein.

In der klassischen Literatur wird eine Vata-Pitta-Kapha-Konstitution (Tridosha) als ideal beschreiben, denn hier sind alle biologischen Kräfte ausgewogen vertreten. Einseitige Konstitutionen neigen eher zu Krankheiten, da sie schneller aus dem Gleichgewicht geraten. „Gesund sein“ heisst im Ayurveda immer, sich im inneren Gleichgewicht mit der eigenen Dosha-Konstitution zu befinden. Unsere Aufgabe ist es, durch ausgleichende Massnahmen die eigene Grundkonstitution zu stärken und zu harmonisieren.

Ayurveda beschreibt sieben verschiedene Konstitutionstypen, die sich durch die Betonung eines oder mehrerer Doshas unterscheiden. Bei Typen, in denen nur ein Dosha vorherrscht, sind die Eigenschaften eindeutig zu erkennen, wenn zwei oder drei Doshas die Konstitution prägen, vermischen sich die Eigenschaften und Körpermerkmale.

Vata

Vata-Menschen erkennen wir an ihrer leichten Körperstruktur - sie sind schlank, hoch gewachsen oder seltener extrem klein. Lange, schmale Hände und markante Gesichtszüge sind weitere typische Merkmale. Ihr Haar ist eher spröde und oft stark gekraust. Sie neigen zu trockener Haut.
Vata-Menschen sind hoch sensible, redselige Menschen, mit einer raschen Auffassungsgabe und einer grossen Begeisterungsfähigkeit. Sie sind körperlich und geistig ständig in Bewegung und können nur schwer zur Ruhe kommen. Vata-Menschen lieben die Veränderungen, sie reisen gerne und verfolgen gerne mehrere Projekte gleichzeitig. Leider haben sie keine grosse Ausdauer – auch in Partnerschaften kommt es zu häufigen Wechseln. Sie haben eine starke Abneigung gegen Kälte und halten sich am liebsten in der warmen Sonne auf. Ihr Nervensystem ist sehr empfindsam und ihre Widerstandskraft gegen Krankheiten eher gering.

Pitta

Diese Konstitution stellt den Mitteltypus zwischen Vata und Kapha dar. Dank der guten Verdauung und einem guten Stoffwechsel ist ihr Körper oft gut entwickelt. Körperglieder, Gesichtszüge sowie andere körperliche Merkmale sind harmonisch proportioniert. Die Haut ist feucht, warm und gut durchblutet. Pitta-Typen schwitzen viel und neigen zu Hautbeschwerden, frühzeitigem Ergrauen und Glatzenbildung. Pitta-Menschen vertragen keine Hitze oder grelles Sonnenlicht. Pitta-Konstitutionen sind kritische, leistungswillige Menschen mit einem starken Willen und grossem Ehrgeiz. Sie sind häufig dominant und durchsetzungsfähig. Sie scheuen sich nicht vor Konfliktsituationen oder Herausforderungen. Ihr Verantwortungsbewusstsein macht sie zu guten Führungskräften. Pittas neigen zu Intoleranz und Ungeduld – auch in Partnerschaften sind sie es, die gerne andere kritisieren, selber aber Kritik schlecht ertragen.

Kapha

Kapha-Menschen sind kräftig gebaut, ihr Körper ist gut entwickelt, mit runden Konturen. Sie haben breite Schultern und grosse Hände. Sie haben eine schöne Haut, grosse Augen und kräftige Haare, regelmässige Zähne und eine gute Stimme. Sie haben ein gutes Immunsystem und sind kaum aus der Ruhe zu bringen. Es sind geduldige Menschen von anziehender Herzlichkeit. Kapha-Menschen sind tolerant, zufrieden und zuverlässig. Sie vermitteln Sicherheit, Vertrauen und emotionale Beständigkeit. In Partnerschaften sind sie treue Seelen und lassen sich kaum auf Abenteuer ein. Kaphas neigen zu Bequemlichkeit und ihre Antriebskraft ist eher gering.

Vata und Pitta

Wenn Sie mit einem Blasebalg Luft ins Feuer blasen, so brennt dieses um so schneller und intensiver. Genau das passiert bei dieser Konstitution. Hier haben wir sehr intensive, intelligente und aktive Menschen, die Gefahr laufen, sich selber aufzubrauchen oder sich aufzuopfern. Sie sind attraktiv, lebenslustig und lebendig, besitzen einen wachen Geist und können sehr gut kommunizieren. Im Konflikt stehen häufig die kreativen Ideen des Vata-Geistes, die der Pitta-Anteil perfekt und erfolgreich umsetzen will, was unweigerlich zu Stress führt.

Vata und Kapha

Hier haben sich die beiden Extreme zu einer homogenen Konstitution zusammengefunden. Der Vata-Anteil schenkt Leichtigkeit, Kreativität und Unbeständigkeit während der Kapha-Anteil für Schwere und Stabilität sorgt. Menschen mit einer Vata-Kapha-Konstitution sind sehr gesellig, beliebt und kommunikativ. Durch das fehlende Feuerelement ist ihnen oft kalt und sie benötigen anregende Wärme für den Stoffwechsel, die Verdauung und das seelisch-geistige Wohlbefinden.

Pitta und Kapha

Kapha-Pitta-Personen sind robust und kräftig gebaut, das Immunsystem stabil und die Ausdauer und Beharrlichkeit in allen Aktivitäten sind hervorragend. Sie sind feurige, soziale und lebensfrohe Menschen. Weil das bewegliche Vata-Element fehlt, kann es vorkommen, dass sie ihr Ziel zu verbissen verfolgen oder in ihrer Position verharren. Durch ihre Rossnatur fehlt es ihnen oft an Feingefühl im Umgang mit sich selbst und mit anderen. Im Allgemeinen sind sie aber liebevolle Partner und Eltern und man kommt gut mit ihnen aus. Sie machen sich durch ihre Herzlichkeit viele Freunde.

Tridosha-Konstitution

In eher seltenen Fällen zeigen sich die Eigenschaften aller drei Typen in gleichem Masse in einer Person. Von Natur aus sind solche Menschen sehr ausgeglichen und besitzen maximale Widerstandskraft gegen gesundheitliche Störungen. Eine ausgewogene Tridosha-Konstitution ist daran erkennbar, dass es keine extreme Konstitutionseigenschaften gibt. Tridosha-Menschen mögen keine Einseitigkeit, da diese sie aus dem Gleichgewicht bringen.

Mentale Konstitution


Mit der mentalen Konstitution beschreibt Ayurveda den geistigen Entwicklungsstand und die seelische Gemütsverfassung des Menschen. Psychische Eigenarten der Konstitution werden sowohl von den Doshas wie auch von den Gunas beeinflusst. Die Prägung der mentalen Konstitution hat vor allem bei den spirituellen und psychischen Therapieformen grossen Einfluss auf die Behandlung.

Nach vedischer Philosophie kommt jeder Mensch mit einem in ihm verankerten Bewusstsein auf die Welt. Diesem Bewusstsein entspringen zum Beispiel unsere tiefsten ethischen und philosophischen Überzeugungen und mentalen Anlagen.


Sattvika

Die sattvische Konstitution zeigt sich durch folgende Eigenschaften: freundlich, grosszügig, vergebend, aufrichtig, intelligent, gutes Gedächtnis, Weisheit, Geduld, nicht verhaftet sein

Rajasa

Die rajasische Konstitution zeigt sich durch folgende Eigenschaften: aktiv, ungeduldig, stolz, ehrgeizig, unehrlich, begierig, leidenschaftlich, ärgerlich, heuchlerisch, eifersüchtig

Tamasa

Die tamasische Konstitution zeigt sich durch folgende Eigenschaften: ängstlich, unreligiös, träge, Mangel an Intelligenz und Wissen, faul, desinteressiert

 


Als eines der höchsten Ziele des menschlichen Daseins wird die geistige Weiterentwicklung angesehen. Die meisten spirituellen Praktiken und Meditationstechniken dienen deshalb der Reinigung des Geistes und Läuterung der Seele. Ziel ist es, einen tamasischen oder rajasischen Bewusstseinszustand zu überwinden, um einen sattvischen Geist zu entwickeln.