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Feinstoffliche Anatomie


Wenn wir die menschliche Natur aus ayurvedischer Sicht beschreiben, so werden immer wieder die Begriffe des grobstofflichen und feinstofflichen Körpers verwendet. Ebenso gibt es Therapieformen, die grobstofflich oder feinstofflich wirken.

Im Ayurveda geht man davon aus, dass der Körper nicht nur aus den „grobstofflichen“ und sichtbaren Zellen und Körpergeweben besteht, sondern auch aus „feinstofflichen“, energetischen, nicht sichtbaren Energiezentren (Marmas, Chakren), Energiebahnen (Meridianen, Nadis) oder Energiekörpern (Aura, Koshas). Diese bestimmen unseren Energiehaushalt und sind Ausgangspunkt für die meisten Massage- und Behandlungsformen des Ayurveda.

Koshas – die Körperhüllen


Im Ayurveda werden fünf Körperhüllen (Koshas) unterschieden. Von diesen fünf Körperhüllen sind zwei grobstofflich, die zusammen die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers darstellen. Der feinstoffliche Körper repräsentiert die Psyche, die Gefühle, die Gedanken und das göttliche Bewusstsein des Menschen. Er macht einen grossen Teil unserer Persönlichkeit aus und versorgt uns mit Lebensenergie, Freude und Liebe. Die drei feinstofflichen Körper basieren auf den Eigenschaften der drei Gunas.

Drei Gunas: Sattva, Rajas, Tamas


Neben den Doshas, die durch ihre Eigenschaften und Funktionen sowohl im grobstofflichen wie auch feinstofflichen Körper zu finden sind, spielen in der ayurvedischen Anatomie drei weitere feinstoffliche Prinzipien eine wichtige Rolle: Sattva, Rajas und Tamas – die drei Gunas, die Urkräfte der Natur.

In der vedischen Philosophie wird beschrieben, dass sich am Anfang eines Schöpfungszyklus Rajas, Tamas und Sattva in einem harmonischen Kräfteverhältnis befinden, welches dann zunehmend in ein Ungleichgewicht gerät. Als Folge dieser Disharmonie bildet sich, in unendlicher Kombination dieser drei Kräfte, das Universum heraus. Es manifestieren sich in endloser Vielfalt alle sichtbaren und unsichtbaren Stoffe dieser Welt. Die drei Gunas bilden in mannigfaltigen Verbindungen alle feinstoffliche, organische und anorganische Materie – Steine, Pflanzen, Tiere und den Menschen.

In der menschlichen Natur beschreiben Sattva, Rajas und Tamas spirituelle Gemütszustände und geistige Qualitäten und somit die mentale Konstitution des Menschen:


Sattva

verkörpert das Prinzip der Reinheit, Ausgeglichenheit und Harmonie

Rajas

steht für Aktivität, Ruhelosigkeit und Unstetigkeit

Tamas

ist das Prinzip der Trägheit, Dunkelheit und Passivität


Für ein glückliches und erfülltes Leben ist es erforderlich, dass Sattva als Harmonie- und Reinheitsprinzip überwiegt.

Marmas


Marmas sind die Vitalpunkte im Körper, durch deren Verletzung der Mensch sterben kann und durch deren Behandlung Heilung erfolgt. In der ayurvedischen Medizin kennt man über 300 Marmas, die sich im ganzen Körper verteilen und für die medizinische Behandlung von allen Leiden des Bewegungsapparates sehr wichtig sind. Die Marma-Vitalpunkte sind Speicherzentren für körperliche und emotionale Informationen. Durch die Behandlung der Marmas können seelische Traumata transformiert werden. Die so genannte Marma-Chikitsa-Therapie gehört zu den intensivsten Behandlungsformen des Ayurveda und wird sowohl auf der feinstofflichen wie auch auf der grobstofflichen Ebene eingesetzt.

Chakren


Auch Chakren, die sieben Hauptenergiezentren entlang der Wirbelsäule, sind grosse Marmas. Als feinstoffliche Organe sind sie für spirituelle und energetische Prozesse in Körper und Bewusstsein verantwortlich. Alle spirituellen Therapieformen des Ayurveda arbeiten mit den Chakren und bewirken hier grosse Veränderungs- und Wachstumsprozesse.

Nadis


So wie die Srotas das grobstoffliche Leitsystem im Körper bilden, sind Nadis die feinstofflichen Energiebahnen im Körper. In ihnen fließt Prana, die Lebensenergie, und sie sind für die energetische Versorgung des Organismus verantwortlich. Alle ayurvedischen Massagen orientieren sich mit ihrer Technik, Streichrichtung und ähnlichem an den Nadis und unterstützen diese in ihren Funktionen.